Der Einkäufer als Buhmann

„Der Einkäufer ist der Buhmann. Er macht nur seinen Job, verdient am wenigsten und keiner mag ihn!“ So charakerisierte Manfred Tubach die schwierige Position der zentralen Einkaufer in Unternehmen, wenn es darum geht, kreative Leistungen und Marketing-Dienstleistungen einzukaufen. Doch damit ernterte er wenig Mitgefühl bei den Vertretern der Werbe- und Kommunikationsagenturen, die sich am 8. September in den Räumen von Leo Burnett versammelt hatten, um über die Rolle von Einkaufsabteilungen zu diskutieren. „Agenturen zwischen Marketing und Einkauf – Wer entscheidet über Kreativität?“ – das war der Titel einer spannenden Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe Medienmittwoch.

Medienmittwoch 8. Sept 2010 (I)
Die Diskussionsrunde beim Medienmittwoch

Souverän moderiert wurde die Runde von Heiko Burrack, Agentur-Berater und Buchautor mit dem Schwerpunkt New Business. Die Vertreter der Agenturen klagten über die wachsende Rolle der Einkäufer, deren Job erklärter Maßen darin besteht, die Preise aller Zulieferer zu drücken.

Dabei sei gerade kreative Leistung nicht austauschbar und müsste anders behandelt werden wie die oft zitierten „Schrauben und Toilettenpapier“, meinte etwa Helmut Hechler, Finanzchef bei Ogilvy. Auch sein Kollege Gudmund Semb (WOB) berichtete von den immer härteren Pitches und den sinkenden Margen im Agenturgeschäft. Oliver Grühn, dessen Unternehmen BrainNet Unternehmen beim Einkauf berät, hielt dagegen: Der Preisdruck sei in anderen Branchen noch stärker und die Agenturen müssen sich darauf einstellen.

Und Manfred Tubach sprach sich sogar für Online-Auktionen bei der Agenturwahl aus – er betreibt für solche Zwecke die Internet-Plattform Skill Portal, bei der auch kreative Leistungen angeboten werden. Auch seiner Meinung nach seien die Verhandlungen bei Pitches mitunter „brutal“, doch schuld seien die Agenturen selbst, die aggressiv im Wettbewerb mitbieten.

Unterschiedliche Meinungen hatten die Diskussionsteilnehmer auch beim Punkt erfolgsabhängige Agenturvergütung. Sind die gängigen Modelle wirklich ein Bonus-System, bei der gute Arbeit belohnt wird, oder eher ein Malus-System, das nur dem Ziel dient, Geld zu sparen? Nach Ansicht der Agenturvertreter verschiebt sich bei vielen Vergütungssystemen das unternehmerische Risiko einseitig auf die Schulter der Agenturen.

Einig waren sich die Kontrahenten in dem Punkt, dass man den Realitäten ins Auge sieht und der wachsenden Macht der Einkäufter Rechnung tragen muss. Wichtig sei es, die Einkäufer so früh wie möglich ins Boot zu holen.

Medienmittwoch 8. Sept 2010 (II)
Roland Panjuk organisierte die Veranstaltung

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