Die Nabelschnur zum Freundeskreis

Beim Mobile Content Day 2008 in Hamburg habe ich über „Mobile Social Communities“ einen Vortrag gehalten. Im Vorfeld haben mich die Veranstalter für ihren Kunden Newsletter – die GfM-Nachrichten – interviewt. Dabei habe ich einige der Gedanken, die ich im Vortrag präsentierte, noch eimal ausformuliert. Hier ist das relativ kurze Interview zum Nachlesen.

Welche Bedingungen müssen Ihrer Ansicht nach erfüllt sein, damit Mobile Social Communities in Deutschland ähnlich erfolgreich wie die etablierten Web Communities werden können?

Die Hürden liegen in erster Linie noch bei der Verknüpfung von mobilen Geräten und Internet – nicht in der Technik, sondern in der Akzeptanz der Konsumenten. Denen ist die Bedienung noch zu ungewohnt, die Kosten zu hoch und die Tarife zu unübersichtlich. Erst wenn sich hier etwas ändert, werden die Deutschen nach und nach auch sinnvolle Internet-Anwendungen über ihre Mobiltelefone nutzen.

Ob Mobile Social Communities dann so erfolgreich wie etablierte Web Communities werden, wird sich zeigen. Es gibt durchaus ein interessantes Potenzial, da Mobile Communities die Web-Communities um eine zusätzliche räumliche Dimension ergänzen: Wo befinden sich meine Freunde gerade?

Hinzu kommt die Möglichkeit des Mobile Messaging, so dass man ununterbrochen mit seinen Freundeskreis verbunden ist – wenn man das will. Eine solche Nabelschnur zum Freundeskreis bietet für einige User einen echten Mehrwert bietet – zumindest für Workoholics und pubertierende Teenager. Ob solche Angebote aber in breite Bevölkerungsschichten sich verbreiten werden, halte ich im Augenblick noch für ziemlich zweifelhaft.

Aber es kommt noch eine ganz andere Frage auf: Werden die so genannten etablierte Web Communities wirklich auch auf Dauer erfolgreich sein? Die Nutzer erwarten in einer „Social Community“, das wie in einem echten Freundeskreis auch soziale Normen erfüllt werden. In dem Augenblick, in dem klar wird, dass der Anbieter aber mit der Plattform Geld verdienen will und deshalb Marktnormen anwendet, werden genau diese sozialen Normen verletzt.

Deshalb reagierten z.B. die Mitglieder von Xing so extrem negativ, als Werbung auf dem Portal zugelassen werden sollte. Die derzeitige öffentliche Diskussion über Datensicherheit und die Verwendung von Nutzer-Informationen zeigt, dass hier soziale Normen und Marktnormen in Konflikt geraten. Diesem Problem müssen sich die Community-Anbieter stellen, egal ob die Interaktion über stationären PCs oder über mobile Geräte erfolgt.

Welche Perspektiven sehen Sie in Mobile Social Communities speziell für Ihr Unternehmen?

Das Mobiltelefon ist ein wichtiges Instrument für Menschen – es befriedigt im Gegensatz zu seinem älteren Bruder – dem Festnetz-Telefonapparat – eine Vielzahl von psychischen Bedürfnissen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Es liefert Sicherheit, da es uns jederzeit mit unseren Lieben verbindet; es überträgt – via SMS – kurze Gedanken und Emotionen; es ist in Design und Klingelton ein Ausdruck unserer Individualität; und last but not least – es vertreibt mir die Zeit in den kurzen Pausen des Alltags, in dem die Zeit und Möglichkeiten für andere Tätigkeiten fehlen.

Deshalb hat das Mobiltelefon ein nicht zu unterschätzendes Potenzial, eine wirkliche „Connection“ zwischen Marke und Konsument aufzubauen. Mobile Social Communities passen perfekt in das Repertoire an psychischen Belohnungen, das das Handy bietet. Doch gerade die Nähe zur Intimsphäre des Nutzers erfordert besonders viel Fingerspitzengefühl, Kreativität und relevanten Nutzwert, weshalb wirklich erfolgreiche Mobile-Anwendungen außerordentlich schwierig in der Konzeption sind. Wir werden für unsere Kunden individuell prüfen, wo die Chancen dieses Mediums liegen, und sie ggf. nutzen.

Die Fragen stellte Herbert Aichinger, 11 Prozent Communication.

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