Die Zukunft der PR: Einbahnstrasse statt Dialog?

Am 23. September besuchte ich abends das sogenannte „Quadriga Forum“ – eine Veranstaltung der neugegründeten Quadriga Hochschule in Berlin, die PR-Profis und Kommunikationsmanager ausbilden will. Es gab eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, die im 49. Stockwerk des Commerzbank-Gebäudes stattfand, weit über den Dächern von Frankfurt. Ähnlich abgehoben wirkte auch der Diskussionsverlauf zeitweise.

Im Panoramasaal des Wolkenkratzers fanden der frühere Regierungssprecher Bela Anda (heute AWD), die Redakteurin Stefanie Burgmaier von Börse Online und (quasi als Hausherr) Richard Lips von der Commerzbank zusammen. Moderiert wurde die Diskussion von Ex-Indentdant und TV-Journalist Peter Voss, der heute Präsident der Quadriga-Hochschule ist. Thema war die Zukunft des Kommunikationsmanagements – damit war in erster Linie PR für Unternehmen gemeint.

Die Diskussionsteilnehmer sollten eigentlich darüber sprechen, was einen guten Kommunikations-Manager ausmache. Doch erst einmal wurde darüber gestritten, wie gut oder schlecht sich die großen Banken und deren Führungspersonal in den letzten 12 Monaten in der Öffentlichkeit präsentiert haben. Im Laufe der Gesprächsrunde wurden einige Anforderungen an Kommunikations-Manager klar. Viel Verständnis wurde gefordert: Er oder sie muss die Journalisten verstehen, die Medien, das eigene Unternehmen, den Vorstand. Und es ist wichtig, so eng wie möglich mit der Geschäftsführung zusammenzuarbeiten und frühzeitig ins Boot geholt zu werden.

Was ich persönlich vermisst habe: Es wurde nicht gefordert, auch die Konsumenten, Kunden, Wähler, Leser oder Zuschauer zu verstehen. Diese Art von PR und Kommunikations-Management scheint immer noch von dem klassischen hierachischen Modell der Massenkommunikation auszugehen: Eine Elite von PR-Experten, Vorstandssprechern und Journalisten entscheidet, was „agenda-fähig“ ist, welche Themen relevant sind, was wie berichtet wird. Die Bedürfnisse, Befürchtungen und berechtigten Interessen der Nutzer und Verbraucher stehen dabei nicht im Mittelpunkt – sie werden bestenfalls indirekt berücksichtigt, wenn einige Spielregeln des Mediensystems beachtet werden.

Diese verbraucherferne Haltung konnte man an dem Abend an zwei Symptomen beobachten. Zum einen zeigten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion von dem Phänomen Social Media überfordert – alle gaben zu, sich wenig mit dieser Thematik auszukennen. Und als Richard Lips erzählte, wie erstaunt er war, als er neulich 25 Studenten im Haus zu Besuch hatte und niemand von denen eine Tageszeitung las, da nickten nicht nur die anderen Diskutanten auf dem Podium, sondern auch viele der Zuhörer und Zuhörerinnen, die in dunklen Anzug oder Kostüm zu dieser Veranstaltung gekommen sind.

Das andere Symptom war, dass die Veranstalter keine Fragen aus dem Publikum zuließen (aus Zeitmangel, wie sie mir später gegenüber erläuterten). An diesem Abend war Kommunikations wieder eine Einbahnstrasse – genau das, was Social Media aufbrechen will und was vielen (nicht nur jungen Leuten) ein Unbehagen bereitet.

Mich hat nicht erschreckt, dass junge Leute keine Zeitung mehr lesen, sondern dass ein hochbezahlter Kommunikations-Manager von dieser Tatsache noch überrascht ist. Und dass die Veranstalter glaubten, den Zuhörern wäre eine Fragerunde mit dem Publikum weniger wichtiger als ein paar Häppchen und Gläschen Wein zu bekommen.

Ich glaube, das ist eine falsche Einschätzung, schließlich waren die Besucher gekommen, um zu erfahren, wie das Kommunikations-Management der Zukunft aussehen soll. Tatsächlich wurde aber eher demonstriert, wie vergangenheitsbehaftet die Unternehmenskommunikation immer noch ist, solange sie sich nicht wirklich um ein Verständnis der Kundenbedürfnisse bemüht und das veränderte Kommunikationsverhalten der Menschen ernst nimmt. Es ist zu hoffen, dass die Quadriga Hochschule bei der Ausbildung der kommenden PR-Elite ein moderneres Verständnis von Kommunikation und eine stärkere Rezipienten-Orientierung berücksichtigt.

Naja, war trotzdem ein netter Abend und die Häppchen waren gut… 😉

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*