Engels Zunge: Digitale Transformation

Nicht jede Firma braucht ein digitales Geschäftsmodell, doch alle benötigen eine Vorstellung davon, wie sich Arbeit und Wirtschaft in der digitalisierten Welt transformieren. Denn nicht nur die Technik ändert sich, sondern die Menschen.

Die Digitalen kommen!

Kolumne für Springer Professional

„Für unsere Kunden ist das Internet nicht so wichtig!“ Solche Aussagen hört man auch heute noch bei vielen mittelständischen und kleinen Unternehmen, als Rechtfertigung dafür, dass keine Investitionen in Website, Online-Shop, Social Media oder digitales Marketing unternommen werden. Doch gibt es das wirklich: Eine Firma, an der die Digitalisierung spurlos vorübergeht? Deren Geschäfte nicht vom Internet beeinflusst werden? Selbst wenn das Unternehmen und deren Wettbewerber kein digitales Geschäftsmodell haben oder brauchen – die Digitalisierung verändert auch das Arbeiten selbst der größten Offliner und Digital-Nachzügler und zwar bis in die letzten Ecken des Betriebs. Hier möchte ich nur drei Felder für den Einfluss der Digitalisierung auf das Wirtschaften aufzeigen.

Information als Treibstoff

Die Rolle von Informationen hat sich in den letzten Jahren verändert: Es sind mehr Informationen immer schneller verfügbar. Das merkt jeder Angestellte, wenn er sich sein E-Mail-Postfach anschaut oder anfängt, nach einem Produkt oder einer Dienstleistung zu recherchieren. Preisvergleichs- und Auktionsseiten liefern eine nie gekannte Transparenz zwischen den Anbietern (wenn auch die Methoden der Vergleicher und Auktioniere nicht immer transparent sind…). Nie war es so leicht, sich zu informieren und so schwer, den Überblick zu behalten. Die internetbasierte Informationstechnik fördert aber auch die Internationalisierung des Geschäfts und lockere Kooperation in Netzwerken – mit jeder Menge Chancen und Risiken für jedes Unternehmen. Information ist das Benzin der modernen Wirtschaft und dieser Treibstoff wird immer digitaler. Doch mit der Technik ändern sich auch die Menschen.

Höhere Ansprüche dank E-Commerce

Kundenerwartungen haben sich verändert: Der Konsument (und auch der B2B-Entschieder) ist anspruchsvoller geworden. Er erwartet längere Öffnungs- und kürzere Reaktionszeiten. Er erwartet leichte Navigation und unendliche Informationstiefe. Er erwartet ein umfassenderes Sortiment und eine Produkt-Konfiguration nach eigenem Gusto. Er erwartet einen mobilen Zugriff auf alle Firmeninformationen und möchte sich die Kommunikationswege selbst aussuchen. Denn dies ist er im Internet gewöhnt – von Amazon und vielen anderen Anbietern. Unsere Ansprüche wurden durch E-Commerce und Internet hochgeschraubt – worauf auch der stationäre Handel reagiert hat, was wiederum die Erwartungen selbst bei den wenigen Nicht-Onlinern erhöht hat. 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr – schon jetzt gibt es junge Konsumenten, die mit dem Begriff „Öffnungszeiten“ gar nichts mehr anfangen können.

Die Digitalen kommen (oder sind schon da)!

Und da kommen wir zu dem wichtigsten Punkt: Die Generation der jungen Menschen, die mit Internet, Facebook und Smartphone aufgewachsen sind, haben andere Erwartungen an die Art und Weise, wie man kommuniziert. Diese Vorstellungen bringen sie in die Unternehmen mit, in denen sie arbeiten sollen. Doch sind die Firmen dafür gerüstet? Das klassische Kommunikations-Modell einer Firma ist durch Hierarchien, Dienstwege, Herrschaftswissen, Verschluss-Sachen, Ablage-Ordner und Geschlossenheit geprägt. Die jungen Menschen erwarten aber Kollaboration, schnelle Vernetzung, Open Source, Suchmaschinen, lebenslanges Lernen und Offenheit. Social Media ist kein Marketing-Tool, sondern eine Weltanschauung. Bald wird die Smartphone-Generation in den Betrieben die Karriere-Leiter heraufklettern. Damit sie nicht stolpern oder die Leiter bei der Konkurrenz erklimmt, müssen Firmen ihre eigene Unternehmenskultur verändern. Denn ob die „Digital Natives“ sich an die alten Strukturen anpassen, ist fraglich.

Diese Umwälzungen treffen alle Branchen und Industrien. Auch ohne ein digitales Geschäftsmodell wird unsere Arbeit immer digitaler und die Digitalen immer mächtiger. Eine digitale Strategie oder ein digitales Leitbild braucht deshalb jedes Unternehmen und zwar jetzt und nicht später.

Die Kolumne erschien bei Springer Professional

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