Warum föhnen wir uns nicht in der Küche?

Für die August Ausgabe der Zeitschrift W&V Media bat man mich um einen Kommentar zum Thema „Fernsehen via Internet“. Ich sollte den Contra-Standpunkt vertreten, während Andreas Bartl, Vorstand bei der ProSiebenSat1-Media AG, die Pro-Seite vertrat. Er schrieb – völlig zu recht –, dass TV-Inhalte im Internet immer wichtiger werden und von den Nutzern – er nennt sie „Viewser“ – mehr und mehr geschätzt werden.

Nun ja, ich musste Contra geben, deshalb konzentrierte ich mich auf die verschiedenen Funktionen von TV und Internet, außerdem verwies ich auf die Tendenz der Menschen, sich eher mehr als weniger Geräte anzuschaffen – Insights, die aus verschiedenen Studien von UM gewonnen wurden, wie etwa „Media in Mind“ oder „WAVE“. Meine Position (die zugegebener Maßen schon etwas überspitzt ist 😉 ) kann man hier lesen…

Fernsehen via Internet: Contra

Für die meisten Menschen haben TV und Web unterschiedliche Funktionen, sind in verschiedenen Situationen relevant. TV wirf oft eingeschaltet, um abzuschalten, sich berieseln zu lassen,. Das Internet dagegen wird gezielt genutzt, um etwas zu erledigen: recherchieren, einkaufen, E-Mails schreiben, spielen. Deshalb ist Internetnutzung eher aktiv, konzentriert und absichtsvoll. Das spiegelt sich auch in der räumlichen Trennung wider: TV sieht man auf dem Sofa, beim Internet sitzt man am Schreibtisch.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, Verhaltensweisen sind fest in den Alltag eingeschrieben. Man kann sich zwar in der Küche föhnen und im Badezimmer den Tee kochen, doch die meisten Menschen machen es umgekehrt. Dementsprechend steht der Wasserkocher in der Küche, der Föhn liegt im Badezimmer. Ähnlich ist es mit TV und Computer: getrennte Funktionen, getrennte Räume, getrennte Geräte.

Wann kommt das Surfen am Fernseher und wann das Fernsehen am PC? Viele sprechen von der Konvergenz der Geräte, doch dabei wird übersehen, dass ein technisches Gerät mehr ist als nur ein Abspielmedium. Es kann Spielzeug, Statussymbol, Sammlerstück, Mode-Assecoire oder Einrichtungsgegenstand sein. Menschen neigen dazu, ihren Technikpark auszuweiten statt ihn zu reduzieren. Selbst iPhone-Besitzer werden ihren iPod nicht ausmustern, nur weil sie über ihr neues Spielzeug auch Musik hören können.

Trotzdem gibt es, nicht zuletzt durch Technologien wie das Smartphone, auch neue Nutzungssituationen für Web und TV. Die Bandbreite an Möglichkeiten wird größer, doch die Veränderungen sind eher an den Rändern zu beobachten. Meine Lieblingsserie werde ich auch weiterhin auf meinen großen TV-Bildschirm im Wohnzimmer sehen – nur in Ausnahmefällen, wenn ich unterwegs bin, auch mal auf dem Laptop oder dem Handy.

Erschienen in: w&v Media, 08/2009

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