Ein Happy End für Metropolis

Das war eine beeindruckende Veranstaltung – am 12. Februar war ich bei der Premiere der rekonstruierten Fassung von „Metropolis“, den Stummfilm-Klassiker von Fritz Lang aus dem Jahre 1927.

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Und endlich konnte ich den Film als ein in sich stimmiges Werk erleben – und nicht bloss als eine Ansammlung ikonischer Szenen in einen ansonsten fragmentarischen und mißlungenen Film.


Lange Zeit galt der Film in der Form, wie er zur Uraufführung gezeigt wurde, als zerstört. Eher durch Zufall wurden vor 1,5 Jahren in Argentinien die verschollen geglaubten Szenen gefunden, wenn auch in einer schlechten Kopie. Mit Film Arbeit und Technik wurde dann die Ursprungsfassung rekonstruiert und in der Alten Oper (parallel auch in Berlin und auf ARTE) gezeigt, begleitet vom Symphonie-Orchester Braunschweig.

Die Geschichte der neuentdeckten Szenen und der Rekonstruktion kann man übrigens im ZEIT-Magazin diese Woche nachlesen, oder auf ZEIT ONLINE.

„Metropolis“ wurde von einem zeitgenössischen Kritiker in den 20er Jahren als eine unbekömmliche Mischung aus Krupp und Wagner beschrieben – und so habe ich den Film auch lange Zeit beurteilt: Ein pathetisch-kitschiger, altmodischer Stummfilm, in dem zwar äußerst beeindruckende Bilder und visionäres Design vorkommen, der aber als Gesamtfilm durch übertriebende Schauspieler und eine wirre Handlung nicht überzeugen konnte.

Das war zumindest mein Eindruck, als ich die erste Version des Films sah – irgendwann in den frühen 80ern in der Sonntagsmatinee im ZDF. In dieser Fassung wirkten selbst die eigentlich atemberaubend modernen Dekors und Stadtansichten dunkel und flach – nicht nur im Fernsehen, auch die abgenudelte Kopie die im Kino des Gießener Jugendzentrums Jokus Jahre später gesehen habe, gab nur ein trübes Bild des Films ab.

Noch schlimmer war die bonbon-farbende Version, die Ende der 80er von Giorgio Moroder in die Kinos gebracht wurde – in zappelnd-beschleunigter Abspielgeschwindigkeit (um auf eine fürs die MTV-Generation kürzere Laufzeit zu kommen) und mit einem unerträglichen Soundtrack (u.a. Freddy Mercury).

Mein Urteil über den Film hat sich erst geändert, als ich vor ein paar Jahren die DVD mit der von der Murnau-Stiftung restaurierten Fassung bekommen habe – fotografisch brilliant, dank sorgfältiger Arbeit und digitaler Technik. Nun strahlten die Panorama-Bilder und die Kulissen in neuem Glanz, Musik und Story waren etwas vollständiger, auch viele Schauspieler wirkten jetzt überzeugender. Lediglich der Hauptdarsteller Gustav Fröhlich ist nach wie vor ärgerlich – seine überzogene Gestik wirkt grotesk im Vergleich zu dem eher verhaltenen und kontrollierten Spiel seiner Partner wie Theodor Loos, Alfred Abel oder Brigitte Helm.

Die nun (fast) vollständige Fassung hat noch einmal gewonnen. Auch wenn die neuen Szenen deutlich in der Bildqualität von den restaurierten Rest abweichen, so ist jetzt die Handlung flüssiger, vollständiger, nachvollziehbarer und dramaturgisch gekonnt konstruiert. Nebenhandlungen machen die Motivationslage der Hauptfiguren klarer, der Schluss gewinnt deutlich an Spannung. Die schauspielerische Leistung von Brigitte Helm, Abel, Fritz Rasp und Heinrich George kommt nun richtig zur Geltung, die Musik unterstützt wunderbar die Dynamik der Bilder.

Beeindruckend ist auch, wie virtuos Fritz Lang filmsche Mittel einsetzt, bis hin zu experimentellen Elementen – etwa eine subjektive Kamera, die der Hand von Fröhlich folgt, oder die Sense des Todes, die buchstäblich in das Filmmaterial schneidet. Auf der großen Leinwand in der Alten Oper konnte man dann auch Details entdecken, die auf dem heimischen TV-Bildschirm eher untergehen – etwa die futuristischen Neon-Leuchten auf Rotwangs Schreibtisch oder die abstrakten Werbeplakate in den Straßen von Metropolis.

Der Film war 80 Jahre lang ein Versprechen, dass erst jetzt vollständig eingelöst wurde: Auch wenn der „Sinnspruch“ des Filme („Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“) nach wie vor fragwürdig ist und Fröhlich im gestochen scharfer Digital-Qualität noch mehr nervt – nun erst ist wird die Modernität des Films wirklich sichtbar. Es war schön, dies in der Alten Oper miterlebt zu haben.

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