Wenn Dichter, dann solche

Am 15. Dezember 2009 war eine besondere Lesung in der Romanfabrik: F.W. Bernstein war gekommen, um seinen verstorbenen Kollegen Chlodwig Poth zu huldigen. Poths Frau Anna war leider wegen Krankheit verhindert – eigentlich sollte sie die Werke ihres Mannes („Last Exit Sossenheim„) vorstellen, wobei sie normalerweise mit breiten Hessisch die Sprechblasen der Sossenheimer vorliest.

Lesung  1

Aber Bernstein musste den Abend nahezu alleine bestreiten, was er grandios bewerkstelligte.

Neben Auszügen aus Poths Roman „Die Vereinigung von Körper und Geist mit Richards Hilfe“ las Bernstein eigene Werke vor. Zum Teil waren es Texte, in denen es um den verstorbenen Freund ging. Zum anderen ging es um eine dritte Person: den von beiden verehrten Richard Wagner. Höhepunkt war eine wunderbare Kurzgeschichte, in der sich ein Statist aus den Gemälden eines alten niederländischen Meisters in eine Sossenheim-Zeichnung von Chlodwig Poth verirrt, und dort von diesem und seiner Frau bestaunt wird.

Lesung 3
F.W. Bernstein in der Romanfabrik

Als Zugabe gab es noch einen meiner Lieblingstexte der Neuen Frankfurter Schule: Das Landexamen – eine Sprachprüfung im Fach Oberhessisch, die von Bernstein zusammen mit Bernd Eilert und Peter Knorr dargeboten wurde (abgedruckt in der Dramen-Sammlung „Die Superfusseldüse“). Wie eigentlich die ganze Veranstaltung auch eine Art Klassentreffen der Neuen Frankfurter Schule war – im Publikum waren Titanic- und Pardon-Autoren in der Überzahl.

Lesung 2
Vogelsberg-Drama mit Eilert, Knorr, Bernstein

Mein persönlicher Höhepunkt – nicht nur dieses Abends, sondern überhaupt – war ein künstlerischer: F.W. Bernstein porträtierte mich beim Signieren meines (leider vergriffenen) Lieblingsbuches „Wenn Engel, dann solche“.

widmung

Damit kann ich meine Modell-Karriere in der bildenden Kunst getrost als erfolgreich beendet ansehen. Was kann ich mehr erwarten, als einer Zeichnung von F.W. Bernstein ähnlich zu sehen?

wenn-engel-dann6

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*