„Was täglich in der Welt passiert, wird überall gern kommentiert“

Buchkritik (geschrieben 2001):
„Lila Kühe leben länger“ von Claudia Cornelsen

„PR-Gags, die Geschichte machten“ lautet der Titel eines recht ungewöhnlichen Buches zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. In einem anderen Verlag hätte man das Werk wahrscheinlich einen Titel wie „Das Lexikon der besten PR-Gags“ verpasst. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um eine umfangreiche Anekdotensammlung. Berichtet wird von Menschen, Themen, Ereignissen und Firmen, die eines gemeinsam haben, sie haben mindestens einmal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gefesselt.


Glücklicherweise folgt das vorliegende Buch bei aller zur Schau gestellten Lockerheit einer bestimmten Systematik. Die gemeinsamen Elemente und Strategien der vorgestellten PR-Gags werden analysiert und liefern ein grobes, doch plausibles Raster zur Kategorisierung. Dadurch ist die Lektüre der vielen Fallbeispiele, die mit viel Liebe zum Detail erzählt werden, nicht nur amüsant, sondern durchaus auch lehrreich.

Der Begriff PR-Gag ist dabei eher verwirrend, denkt man doch an gezielte Aktionen, die von professionellen Kommunikationsexperten erdacht und eingesetzt wurden. In dem Buch von Claudia Cornelsen wurden aber auch andere Geschichten aufgenommen, wenn sie nur irgendwie zu öffentlichen Diskussionen führten. So steht die Entdeckung Amerikas neben den zeitweiligen Verschwinden Agatha Christies (letzteres übrigens ein Schicksal, das neben der Krimiautorin auch der Milka-Kuh zuteil wurde).

Der Streit der Hersteller von Rasierklingen und Elektrorasierern um die richtige Rasur findet ebenso Platz in dem Buch wie Joseph Beuys und seinen Kunstaktionen. Diese Melange von unterschiedlichsten Fällen zeigt überraschende Zusammenhänge und Verwandtschaften auf. Der sehr saloppe Stil, der in seiner gewollten Leichtigkeit manchmal doch ungewollt verkrampft wirkt, garantiert eine kurzweilige und schnelle Lektüre.

Nur noch ein kritisches Wort zum Layout des Buches: So schön der Einband ist, der Rest des Buches ist leider gestalterisch wenige geglückt: Statt schiefer Seitenzahlen und Kühen zum Kapitelbeginn, beides anscheinend als Zeichen für unkonventionelles Auftreten gedacht, wären mehr Abbildungen wünschenswert gewesen – um genau zu sein: Das ganze Buch enthält kein einziges Bild.

Claudia Cornelsen: „Lila Kühe leben länger – PR-Gags, die Geschichte machten“, Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Frankfurt am Main / Wien 2001, ISBN 3-706-40828-7

Hinweis: Die Überschrift ist dem Buch „Lexikon der Werbesprüche“ von Wolfgang Hars entnommen.

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