Alles wird gut

Buchkritik:
„Anleitung zum Zukunftsoptimismus – Warum die Welt nicht schlechter wird“ von Matthias Horx

Es gab einmal Zeiten, da galt man als Nestbeschmutzer, wenn man sich kritisch gegen heile Welt und Zukunftsgläubigkeit äußerste. Heute ist die Situation eher umgekehrt: In einer Medienwirklichkeit, in der Schwarzmalerei vorherrscht, provoziert man mit Optimismus. Genau das tat Matthias Horx in seinem neuen Buch „Anleitung zum Zukunftsoptimismus – Warum die Welt nicht schlechter wird“.


Viel Hohn und Spott der professionellen Kritiker hat sich Horx mit diesem Werk eingehandelt – was auch nicht anders zu erwarten war, handelt es sich doch um eine kontrollierte und beabsichtigte Provokation. Wer Horx als wortmächtigen Trendforscher kennt, wird von diesem Buch wahrscheinlich irritiert sein – hier geht es nur am Rand um die Zukunft, sondern mehr darum, wie wir in der Gegenwart mit der Zukunft umgehen. Der Autor zieht über die professionellen Propheten des Untergangs her, die ständig den Weltuntergang beschwören.

Dabei schlachtet Horx genussvoll deren heiligen Kühe: Klimawandel, Globalisierung, Artensterben, Kriminalität, die „mediale Verblödung“ – alles ist in Wirklichkeit nicht nur halb so schlimm, sondern im Gegenteil eher ein Segen als ein Fluch. Neue Medien machen uns klüger, die Globalisierung sorgt für mehr Wohlstand in der Welt, die Verbrechensrate nimmt ab und nicht zu, der Klimawandel ist eine natürliche Episode der Erdgeschichte und der Mensch dezimiert nicht die Arten, sondern sorgt mit Züchtung sogar für eine wachsende Vielfalt im Tier- und Pflanzenreich.

Viele Fakten, die Horx dabei Revue passieren lässt, sind durchaus überraschend und erhellend. Wer ist nicht überrascht, wenn er liest, dass die Zahl der Morde in Deutschland die Zahl 500 unterschreitet und in den letzten Jahren auch noch abgenommen hat. Oder das in Afrika bei einem Benefizkonzert Hunderttausende von Euro für die Opfer der Oderflut im reichen Deutschland gesammelt wurden. Nicht immer sind allerdings der polemische Ton und die schweren Wortgeschütze wirklich hilfreich – etwas mehr geistreicher Witz und weniger Holzhammer hätten das Buch wahrscheinlich überzeugender gemacht.

Der Trendforscher kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück – als Journalist für TEMPO und Buchautor geißelte er schon in den 80er Jahren das Gutmenschentum der 68er Generation. Doch eins muss man dem Buch lassen: Als Gegengift zu den unreflektiert nachgeplapperten Untergangsszenarien von Massenmedien und Politik ist Horx’ Buch ungemein erfrischend und eine auf jeden Fall anregende Lektüre.

Mit Trendforschung hat das allerdings wenig zu tun, obwohl Horx natürlich seine Megatrends wie „Selfness“ und „Frauen“ durchaus zitiert. Wer wissen will, was die Zukunft bringt, sollte sich den anderen Titeln im umfangreichen Werk von Horx widmen. Wer aber die Nase voll von zuviel Weltuntergang und Betroffenheits-Rhetorik hat, dem wird die „Anleitung zum Zukunftsoptimismus“ sicherlich Vergnügen bereiten.

Matthias Horx: „Anleitung zum Zukunftsoptimismus – Warum die Welt nicht schlechter wird“, Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 2007, 310 Seiten, 24,90
Euro, ISBN 978-3-593-38251-7

Das Buch ist mittlerweile auch als Taschenbuch erschienen:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*