Marketing als Spielplatz

Buchkritik:

„Ausweitung der Konsumzone“ von Christian Blümelhuber

Christian Blümelhuber ist der Popstar unter den Marketingprofessoren – seine Auftritte, wie zum Beispiel beim im Frühjahr 2011 beim TV-Wirkungstag, unterscheiden sich ganz und gar von den eher betulich-akademischen Vorträgen seiner Zunftkollegen. Unterhaltsam, prägnant und provokativ stellt er dem Publikum seine Ideen und Meinungen dar. Eine schillernde Persönlichkeit, die sich auch in seinem neuen Buch „Ausweitung der Konsumzone“ widerspiegelt.

Der Untertitel „Wie Marketing unser Leben bestimmt“ klingt fast schon kritisch, doch tatsächlich ist Blümelhuber von Marketing begeistert – allerdings nur von guten Marketing. Die Zielsetzung seines Buches scheint es zu sein, diese Begeisterung der Welt mitzuteilen – es handelt sich also weder um ein Lehrbuch noch um einen Managementratgeber, vielmehr um einen persönlichen Blick auf aktuelle Fragen des Marketings.

Dabei lässt Blümelhuber drei Hauptdarsteller auftreten. Die ersten zwei findet man in den Agenturen und Marketingabteilungen: Den Verführer – er ist der Kreative, der sich die richtigen Ideen und Botschaften ausdenkt und sie in schöne Bilder übersetzt. Im zur Seite steht der Stratege, der Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse in Strategien und Geschäftsmodelle umformt. Doch den dritten Helden des Buches bezeichnet Blümelhuber als Bastler – er ist der Konsument, der aus den Angeboten der Marketingexperten das heraussucht, was ihm gefällt und es an seine Bedürfnisse anpasst. Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft des Buches: Verbraucher sind keine passiven Empfänger oder gar Opfer von Marketingmaßnahmen, sondern aktive Gestalter. Dabei ist Marketing nach Blümelhuber eher ein Spiel, bei dem alle Spaß haben, wenn sie sich darauf einlassen.

Nebenbei erfährt der Leser eine Menge über Marketing – nicht systematisch und klar, dafür aber gewohnt unterhaltsam, provokant und sehr persönlich. Das schöpfen aus den eigenen Erfahrungen ist oft sehr anschaulich, etwa wenn er als Beispiel für gutes Marketing über den Service in seinem letzten Ferienhotel schwärmt. Doch manchmal ist es schwer, den Anekdoten, Bemerkungen, Details und Abschweifungen zu folgen, zu sprunghaft ist der Geist des Autors, der in einem Gespräch oder einer Keynote-Präsentation besser zur Geltung kommt als in einem linearen Text. Dabei weiß der Autor aber immer, wovon er spricht – allerdings ist alles Wissenschaftliche und Theoretische in die sehr umfangreichen Fußnoten verbannt, die schon fast ein informatives, wenn auch verwirrendes eigenes Buch darstellen. Doch auch der Haupttext ist getränkt von Wissen, Studienergebnissen und scharfsinnigen Beobachtungen.

Wer einen schlauen und unkonventionellen Marketing-Enthusiasten beim Denken beobachten will, der hat mit der „Ausweitung der Konsumzone“ einen inspirierende Ausflug vor sich – in eine Welt, in der Marketing kein Geschäft, sonder ein Spiel ist.

Christian Blümelhuber: Ausweitung der Konsumzone – Wie Marketing unser Leben bestimmt; Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011, 274 Seiten, 22,99 €, ISBN 978-3-593-39464-0

 

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