Der globale Dorfschulmeister

Buchkritik:

„Die Khan Academy“ von Salman Khan

Über unser Bildungssystem wird gerne diskutiert – doch nicht genug, wenn man bedenkt, wie grundlegend wichtig Schule und Ausbildung für unsere Wirtschaft und unser Leben sind.

In Deutschland ist die Bildungsdebatte immer von Ideologien geprägt – da wird aus Prinzip mit Leidenschaft und scharfen Geschützen aus dem politischen Vokabular für oder gegen Gesamtschulen oder Elite-Gymnasien argumentiert. Aber die neusten Erkenntnisse aus Psychologie und der internationalen Bildungsforschung werden wenig berücksichtigt.

Ein erfrischend unverkrampftes Buch zum Thema Bildung ist jetzt auf Deutsch erschienen: Der Amerikaner Salman Khan berichtet über das Konzept und die Geschichte seiner Khan Academy. Khan ist einer der Superstars der digitalen Welt und seine Website ist eine der Hotspots im Internet. Sein Konzept ist denkbar einfach: Mit Hilfe von 10minütigen Youtube-Erklärvideos und einer Software, die Aufgaben generiert, kann jedermann auf der Welt, egal ob Schüler oder Erwachsener, sich grundlegendes Wissen über wichtige Schulfächer aneignen.

Khan war Mathematiker und Hedgefond-Analyst als er eher zufällig damit begann, seiner Nichte Fernunterricht in Mathe zu geben. Dabei fand er ein Grundprinzip: Das Lerntempo darf sich nicht an Lernplänen orientieren, sondern am Schüler. Er beschäftigt sich mit einem Thema so lange, bis er es vollständig verstanden hat – egal wie lange das dauert -, bevor er zum nächsten schwierigeren Stoff übergeht. Die spartanisch gestalteten Erklärvideos ermöglichen es, dass jeder Schüler sein Tempo selbst bestimmt. Aus dieser einfachen Idee entwickelte Khan eine Web-Plattform, die er als „globale Dorfschule“ bezeichnet.

Salman Khan berichtet über die Entwicklung seiner Akademie in der Form einer typischen Silicon-Valley-Heldengeschichte –von den simplen Anfängen mit Laptop in einem engen, begehbaren Kleiderschrank, bis hin zu dem Ausbau zur professionellen Plattform durch Millionenspenden von Bill Gates und Google. Zwischendurch entwickelt er so etwas wie eine persönliche Bildungstheorie, beleuchtet die Entstehung des heutigen Schulsystems (deren Anfänge in Preußen liegen) und zeigt an vielen Stellen auf, wo es in der traditionellen Schule hapert.

So ist das Buch eine eigenwillige Mischung aus persönlicher Erweckungsgeschichte, Argumentation für eine Schulreform und Werbeschrift für seine Website. Doch die Themen, die er anspricht, sind wichtig und seine unkomplizierte Art, sie zu behandeln, machen seine Ideen nachvollziehbar. Khan möchte Lust aufs Lernen machen, und das gelingt ihm. Deshalb lohnt sich die Lektüre – und auch die Registrierung bei der Khan Academy.

Salman Khan: Die Khan Academy – Die Revolution für die Schule von morgen; Riemann Verlag, München 2013, 250 Seiten, 19,99 €, ISBN 978-3-570-50144-3

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