Ein Sammelsurium zu Social Media

Buchkritik:
„Socialnomics“ von Erik Qualman

„Socialnomics“ heißt das Buch und es handelt sich um einen seltsamen Zwitter. Der Titel ist großspurig und verspricht eine Darstellung „wie Social Media Wirtschaft und Gesellschaft“ verändern. Trotz vieler prägnant formulierter Erkenntnisse ist es doch kein gut recherchiertes populärwissenschaftliches Sachbuch, dazu ist es zu oberflächlich und unsystematisch.

Ein „How-to-Do“-Ratgeber, der erläutert, wie man Geld mit Social Media verdient, ist das Buch ebenfalls nicht. Dafür ist es nicht instruktiv genug, obwohl es viele anschauliche und überzeugende Beispiele liefert, wie Unternehmen oder Einzelpersonen mehr oder minder wirtschaftlich erfolgreich in den Social Media engagiert haben. Das Buch von Erik Qualman ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Keine kritische Gesellschaftsanalyse, dazu ist es im Grundton zu euphorisch und einseitig positiv auf die Segnungen des schönen neuen Mitmach-Webs fokussiert.

Aber als reine Streitschrift für die sozialen Medien taugt es auch nur bedingt, weil es überraschenderweise auch einige unbewiesene Vorurteile gegen die Social Media kritiklos kolportiert: Etwa die gewagte These, dass Facebook und Co. bei jungen Menschen die Kompetenzen in der zwischenmenschlichen Kommunikation verkümmern lassen würden. Wozu ist das Buch „Socialnomics“, das im anglo-amerikanischen Raum durchaus einen Bestseller-Status hat, denn nun eigentlich gut?

Nun ja, es liefert komprimiert eine Nummernrevue der gängigen Thesen, Fallbeispiele und Erkenntnisse rund um die ganze Welt der Social Media. Dabei verzichtet der Autor auf Technikdetails, Experten-Jargon oder wissenschaftliche Genauigkeit. Am Ende jedes Kapitels werden die Kernthesen zusammengefasst – tatsächlich liefern die vorausgegangenen Kapitel auch nicht viel mehr, sondern schmücken nur diese Kernthesen etwas aus. Man findet keine zusammenhängende Erörterung, auch kein wirklich schlüssiges Modell des Einflusses von Social Media auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Als Baukasten ist das Buch aber recht praktisch: Jeder kann genau die Zitate und Case-Studies entnehmen, die gerade in die eigenen Vorträge und Strategie-Konzepte passen. Das Aneinanderreihen von Thesen und Themen macht die Lektüre durchaus kurzweilig – auch wenn viele Beispiele mittlerweile allseits bekannt sind. Wer also schnell und umfassend noch einmal die wichtigsten Ideen rund um Social Media revuepassieren lassen will, dem sei das Buch „Socialnomics“ ans Herz gelegt.

Allerdings wäre es nicht schlecht, zur englischsprachigen Originalausgabe zu greifen – die deutsche Version (erschienen in einem IT-Verlag) erscheint an vielen Stellen doch sehr holprig und wenig kenntnisreich übersetzt.

Erik Qualman: Socialnomics – Wie Social Media Wirtschaft und Gesellschaft verändern; mitp, Heidelberg 2010, 246 Seiten, 24,95 €, ISBN 978-3-8349-2094-2

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