Gibt es sie wirklich, die Qual der Wahl?

Buchkritik:
„Anleitung zur Unzufriedenheit“ von Barry Schwartz

An dieser Stelle wurde bereits das Buch „The Long Tail“ von Chris Anderson besprochen. Darin wurde erläutert, wie der Konsument von heute immer mehr Spaß an dem sich weiter ausdifferenzierenden Angebot von Produkten, Dienstleistungen und Medieninhalten findet. Die Gegenthese dazu liefert Barry Schwartz in seinem Buch „The Paradox of Choice“, das im englischsprachigen Raum bereits ein Sachbuch-Bestseller ist und auch in einer deutschen Übersetzung vorliegt.

Schwartz meint, die Menschen seien heute überfordert, wenn sie die Wahl zwischen zu vielen Optionen haben. Denn jede Entscheidung für etwas ist eine Entscheidung gegen eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Deshalb sind wir uns nie sicher, ob wir tatsächlich die beste Wahl getroffen haben, weil wir erahnen, dass es da draußen vielleicht noch bessere oder günstigere Produkte gibt. Ein Überangebot erhöht also nicht nur die Suchkosten, sondern auch die Unzufriedenheit mit der eigenen Wahl. Gestützt wird Schwartz’ These mit zahlreichen Befunden aus psychologischen Studien, und er erläutert seinen Standpunkt auch mit einer Vielzahl von einleuchtenden Alltagsbeispielen. Doch schon nach kurzer Zeit dreht er sich im Kreis und wiederholt seine Litanei immer und immer wieder, weswegen die Lektüre etwas ermüdend wird.

Dabei sind durchaus gute Gedanken in dem Buch enthalten, über die es sich zu reflektieren lohnt. Etwa die Typologie der „Satisficers“ und „Maximizers“. Erstere suchen beim Kauf immer nur so lange, bis sie ein Produkt gefunden haben, das dem selbst gesetzten Standard entspricht. Sie sparen Zeit und sind mit ihrer Wahl in der Regel zufrieden. Die „Maximizers“ wollen es indes ganz perfekt machen, sammeln Informationen, betreiben Preisvergleiche – und suchen sich zu Tode. Wenn sie endlich eine Entscheidung treffen, quält sie der Gedanke, dass sie vielleicht noch etwas länger hätten suchen sollen, um irgendwo dem perfekten Produkt zum Spottpreis zu begegnen. Schwartz reitet auf dieser Idee über so viele Kapitel hinweg herum, bis sie lahm wird. Zum Schluss geizt er auch nicht mit Ratschlägen, wie man sich im eigenen Alltag dem Terror der Vielfalt entzieht – was sein Buch gefährlich nahe an die Sparte der Lebenshilfe-Traktate rückt. Ein Buch, das nicht ohne Wert ist, bei dem aber Querlesen wahrscheinlich reicht.

Barry Schwartz: „Anleitung zur Unzufriedenheit. Warum weniger glücklicher macht“, Econ Verlag 2004, 288 Seiten, 22,00 EUR, ISBN 3430181933.

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