Vom Mendels Klostergarten zum Silicon Valley

Buchkritik:

„Information – Kurze Geschichte in 5 Kapiteln“ von Ernst Peter Fischer

Heute weiß auch der letzte Hinterwäldler, dass wir in einem Informationszeitalter leben. Dabei vergessen wir leicht, dass der Begriff der Information, der uns heute selbstverständlich erscheint und so leicht von den Lippen geht, eigentlich eine verhältnismäßig kurze Geschichte hat. Und was vielen auch nicht bewusst ist: Information ist auch ein naturwissenschaftliches Konzept.

Der Siegeszug der Informationstechnologie – vom Computer bis zum Internet, vom Telegrafen bis zum Smartphone – wurde erst möglich, nach dem Mathematiker und Physiker die vielfältigen Phänomene rund um Information und Kommunikation in ein abstraktes Begriffssystem einordnen konnten. In einem schön illustrierten, populärwissenschaftlichen Buch des Wissenschafts-Publizisten rekonstruiert Ernst Peter Fischer wird die Geschichte der naturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Information. Die mathematischen Grundlagen – etwa das duale Zahlensystem oder der Logarithmus – werden knapp erläutert. Auch die großen Forscher werden vorgestellt: Claude Shannon, Alan Turing, Charles Babbage (der die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte) und Alda Lovelace (die einen Algorithmus für diese entwickelte und als die erste Programmiererin bezeichnet werden darf).

Bei der Darstellung werden verschiedene Stränge der Wissenschaftsentwicklung miteinander verknüpft: Die mathematischen Grundlagen, die Entwicklung der Informationstechnologie, die physikalische Bestimmung von Entropie und Information und das Konzept des genetischen Codes – die letzten beiden Punkte zeigen, dass Information eine Tatsache der Natur ist und nicht nur ein menschliches Artefakt.

Der Autor Ernst Peter Fischer ist ein versierter Vermittler von naturwissenschaftlichen Wissen und dessen Einbettung in Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Sein Stil ist allgemeinverständlich, ohne dabei zu platt oder unpräzise zu sein. Allerdings merkt man schon, welche Themen Fischer mehr oder weniger liegen: Die Blüte des Silicon Valleys und die Entwicklung des Internets stellt er eher oberflächlich und ohne tiefere Einsicht dar, während er der Genetik sein Herzblut widmet und sie dadurch einen unverhältnismäßig großen Anteil an der Textmenge des Buches einnimmt. Nicht das Genetik nicht spannend wäre – von Gregor Mendels Experimente im Klostergarten bis hin zur Entdeckung der Doppelhelix liefert sie eine Vielzahl lesenswerter Geschichten. Aber die hat Fischer bereits in vielen anderen Büchern umfassender und besser nacherzählt. Doch im Zusammenhang mit Information, Computer und IT scheint Genetik nur ein Nebenthema zu sein, und Fischer arbeitet die Verbindung zum Hauptthema nicht immer klar heraus.

Das schmälert aber nur wenig die Qualität des Buches, zumal es ansonsten nur wenige populärwissenschaftliche Sachbücher auf Deutsch gibt, die uns helfen, die Grundlagen unseres Informationszeitalters zu verstehen.

Ernst Peter Fischer: Information – Kurze Geschichte in 5 Kapiteln; Verlagshaus Jacoby Stuart, Berlin 2010, 222 Seiten, 16,95 €, ISBN 978-3-941787-15-5

 

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