Mit dem Beamer zur Erleuchtung

Buchkritik
„ZEN oder die Kunst der Präsentation“ von Garr Reynolds

Angeblich werden weltweit jeden Tag 30 Millionen Powerpoint-Präsentationen gezeigt – das sind schätzungsweise 12,5 Millionen Stunden und mindestens 1,35 Milliarden einzelne Folien. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die meisten davon in ihren Meetings gezeigt werden und ihre kostbare Lebenszeit dadurch verbraucht wird, dann sollten sie hoffen, dass das folgende Buch eine möglichst große Verbreitung in ihren Kreisen findet. „ZEN oder die Kunst der Präsentation“ ist kein Anti-Powerpoint-Buch (von denen es mittlerweile schon einige gibt).

Der Designer und Kommunikations-Profi Garr Reynolds hat einige Zeit in Japan gelebt und gearbeitet, dort kam er mit östlicher Philosophie, buddhistischer Lebensart und Meditation in Berührung. Keine Angst, hier haben wir kein Lebenshilfe-Ratgeber oder Besinnungs-Traktat, nichts Vergleichbares wie etwa „Weisheit für eine globalisierte Welt“ des Dalai Lamas. Das Buch ist ein Glücksfall – inspirierend, intelligent, instruktiv. Der Autor übernimmt Leitlinien und Ideen aus der japanischen Kultur, um zu erläutern, wie eine gute Präsentation entsteht.

Seine Gedanken und Ratschläge verdichtet er zu kurzen Sinnsprüchen und Regeln („schlicht, eindeutig, kurz“). Wie bereite ich eine Präsentation vor? Wie benutze ich Bilder und Zitate? Wie kann ich alles Unwesentliche entfernen und das Wesentliche noch mehr auf den Punkt bringen? Analogien aus anderen Bereichen – Design, Judo, Drehbuchschreiben, Meditation, Musik – sollen helfen, das stupide Folien-Basteln zu einer kreativen Geistestätigkeit zu wandeln. Das Faszinierende ist dabei, dass das Buch gleich auf mehreren Ebenen funktioniert: Es liefert auf einer allgemeinen Ebene viel Anregendes zum Nachdenken, aber gleichzeitig auch auf einer konkreten Ebene praktisch Tipps (z.B., auf welchen Websites man gute Bilder findet).

Dabei ist es reichlich illustriert, allerdings vermittelt ein Großteil der Abbildungen eher eine Stimmung, als das sie einen Informationsgehalt haben – aber auch das gehört zum inspirierenden Teil des Buches. Daneben gibt es viele konkrete Beispiele von Powerpoint-Folien – besonders schön sind die Vorher-Nachher-Beispiele: Wie kann man aus schlechten Charts gute machen, und aus guten sehr gute.

Auch zeigt der Autor Beispiele von erfolgreichen Präsentatoren. Wer dieses Buch gelesen hat, wird viele Ideen finden, seine eigenen Präsentationen schlichter, relevanter und schöner zu machen. Dann liefert der Beamer im abgedunkelten Konferenz-Saal nicht nur Be- sondern auch Erleuchtung. Die Zuhörer werden es danken.

Garr Reynolds: ZEN oder die Kunst der Präsentation – Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren; Addison-Wesley Verlag, München 2009, 228 Seiten, 29,95 €, ISBN 978-3-8273-2708-6

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