Moderne Heldensagen aus dem Wirtschaftsleben

Buchkritik
„Rulebreaker“ von Sven G. Jánszky u. Stefan Jenzowsky

Manche Geschichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Etwa die des Topmanagers, der sich über die Starrheit in seinem traditionellen Unternehmen ärgert und deshalb auf der Vorstandsetage heimlich die akkurat rechtwinklig angeordneten Besucher-Sofas verschiebt, quasi als Symbol für sein Querdenkertum. Und als die Möbel kurze Zeit später wieder sauber und ordentlich in ihrer alten Position standen, da machte er sich einen Spaß daraus, sie von da an täglich wieder zu verrücken – und natürlich wurden sie von den braven Angestellten auf immer wieder in die alte Rechtwinkligkeit gebracht. Diese Geschichte hat natürlich einen tieferen Sinn: Menschen, die Neues schaffen und wirkliche Innovationen durchsetzen, hassen überkommene Regeln und festzementierte Ordnung, sie rebellieren dagegen – im Großen wie im Kleinen.

Und meistens kämpfen sie dabei gegen Windmühlen an, gegen feste Strukturen, satte Zufriedenheit und Angst vor der Veränderung. Doch diese träge Opposition gegen das Neue demotiviert die Innovatoren nicht – es stachelt sie eher weiter an. Manchmal siegen diejenigen, die sich den alten Regeln widersetzen. Zehn Erfolgsgeschichten haben Trendforscher Sven Gábor Jánszky und Innovationsberater Stefan Jenzowsky in einem Buch versammelt: „Rulebreaker – Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern“. Sie handeln von Männern, die in der deutschen Wirtschaftsgeschichte der letzten Jahrzehnte erfolgreich waren, weil sie die Gesetze ihrer Märkte erst bewusst gebrochen und damit langfristig verändern haben.

Solche Rulebreaker sind zum Beispiel der Erfinder der AIDA-Kreuzschiffe oder der Manager, der die Strommarke Yello ins Leben rief und somit den Deutschen beigebracht hat, dass Strom angeblich gelb sei (er ist es übrigens auch, der bei seinem Arbeitgeber die Sitzmöbel verrückt hat). Die Autoren erzählen bild- und anekdotenreich die Lebensgeschichte dieser Menschen, die gleichzeitig auch immer die Geschichte der Branchen ist, die durch sie verändert wurden: Immobilienmakler, Privatbanken, Wörterbücher, Apotheken. Einige der Stories warten noch auf ein Happyend im richtigen Leben – etwa die über das Team, dass sich eine personalisierte Zeitung ausdachte. Mit „Rulebreaker“ liefern die Verfasser eine Sammlung moderner Heldensagen – es sind nicht Prozesse und anonyme gesellschaftliche Trends, die einen Markt umkrempeln, sondern die Visionen und die Beharrlichkeit einzelner Ausnahmepersönlichkeiten definieren die Regeln des Geschäftes neu.

Diese Charaktere werden in einer manchmal fast zu detailreichen Ausführlichkeit beschrieben – ihre Herkunft, ihre Wertvorstellungen und Träume, die Erfolge und Rückschläge, die Anfeindungen und Konflikte, die sie provozieren. Das ist ohne Zweifel spannend zu lesen und man lernt dabei auch immer ein bisschen etwas über die deutsche Wirtschaftsgeschichte. Am Ende gibt es auch noch den Versuch, die Gemeinsamkeit dieser zehn Rulebreaker-Biografien zu analysieren und Tipps für das eigene Management zu geben.

Hier huldigen die Autoren einen Geniekult – Rulebreaker ist man von Geburt an oder nicht. Wer keiner ist, der soll einen in seinem Unternehmen einstellen und ihn absolut freie Hand lassen, egal was dieser Mann (tatsächlich behaupten die Autoren, keine Frau gefunden zu haben, die in diese Kategorie passt) auch immer anstellen wird. Diese Fazit-Kapitel sind die schwächsten im Buch, doch die sehr unterhaltsame Lektüre der vorhergehenden Rulebreaker-Sagen macht dies locker wett.

Sven G. Jánszky / Stefan A. Jenzowsky: Rulebreaker – Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern; Goldegg Verlag; Wien 2010, 378 Seiten, 24,00 €, ISBN 978-3-902729-09-5

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