Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie

Buchkritik
„50 Erfolgsmodelle“ von Mikael Krogerus u. Roman Tschäppler

Bei Theorie ist die erste Assoziation zu meist „trocken“ und „praxisfern“. Das ist allerdings mitunter eine falsche Einschätzung, denn Theorien können helfen, Situationen kurz zu analysieren, Phänomene prägnant zu beschreiben und Entscheidungen schnell zu fällen. Wie der Sozialpsychologie Kurt Lewin zu sagen pflegte: „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie“. Und am praktischsten ist eine gute Theorie, wenn man daraus ein Modell entwickeln kann, das einfach und anschaulich ist und bei der Entscheidungsfindung helfen kann. Von dieser Idee ist auch das kleine Büchlein „50 Erfolgsmodelle“ geprägt.

Auf rund 150 Seiten werden 50 Modelle vorgestellt – ohne wissenschaftliche Herleitung, komplizierten Jargon oder vorsichtige Relativierungen. Die Modelle selbst kommen aus allen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Viele sind alte Bekannte – von der Marktmatrix der Boston Consulting Group, über die unvermeidlichen Sinus-Milieus, bis zur Theorie der kognitiven Dissonanz. Einige sind erfrischend neu oder werden in einem ungewohnten Zusammenhang dargestellt. Das Ziel des Buches ist es nicht, diese Modelle im Detail zu diskutieren, sondern ihren praktischen Wert bei alltäglichen Entscheidungen herauszustellen.

Dabei wird die Eignung sowohl bei persönlichen wie auch geschäftlichen Probleme überprüft. Auf so drängende Fragen wie „Wem Sie was schenken sollten“ oder „Welche Ihrer Geschäftskontakte Sie pflegen sollten“ lässt sich leicht eine Antwort finden, wenn man die im Büchlein empfohlenen Modelle zur Rate zieht und ein bisschen nachdenkt. Überhaupt ist das, das Sympathische an den „50 Erfolgsmodellen“: Sie liefern keine Patentrezepte, sondern regen zum Selbstdenken an. Am Ende des Bändchens wird der Leser direkt aufgefordert, seine eigenen Modelle zu entwickeln – eine Einladung, der man durch die Inspiration dieses Buches gerne nachkommt.

Denn die Autoren stellen ihre Modelle auf so eine unprätentiöse und charmante Weise vor, dass man sich niemals belehrt, aber immer gut unterhalten vorkommt. Dieses entspannte und humorvolle Understatement zeigt sich auch in der Gestaltung: Das Buch sieht aus wie ein kleines, hochwertiges Notizbuch und nicht wenige Leute, die es geschenkt bekommen haben, werden es auch für eins halten.

Wer jetzt in den Buchladen rennt, um das Buch als Arbeitshilfe für sich oder als ideales Geschenk für Freunde und Kollegen zu kaufen, muss nur eins beachten: Er findet es meist weder in den Abteilungen „Wirtschaft“ noch „Psychologie“ oder „Lebenshilfe“ (wo es überall perfekt hineinpassen würde), sondern eher unter der Rubrik „Geschenkbücher“ oder sogar „Humor“. Denn der Verlag Kein & Aber ist mehr für Satiren als für Ratgeberliteratur berühmt. Aber die „50 Erfolgsmodelle“ sind kein Witzbuch oder eine Ansammlung unnützen Wissens a la „Fußball unser!“, sondern eine wirklicher Helfer im Alltag und ein Beispiel für praktische Theoriearbeit.

Mikael Krogerus / Roman Tschäppler: 50 Erfolgsmodelle – Kleines Handbuch für strategische Entscheidungen; Kein & Aber, Zürich 2008, 174 Seiten, 16,90 €, ISBN 978-3-0369-5529-2

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*