Satire mit dem Holzhammer

Buchkritik:
„Der Bluff“ von Robert Jakobs

Robert Jakobs „Der Bluff“ ist ein Buch, das bereits auf der ersten Seite mit dem Hinweis beginnt: „Dieses Buch ist zwar real, aber gleichzeitig eine Satire. Wir nehmen daher den im Grundgesetz verankerten Kunstvorbehalt ausdrücklich für uns in Anspruch“. Abgesehen davon, dass jedes Buch irgendwie real ist, gibt dieser kurze Text dem Leser zu denken: Die Macher glauben, sie müssen nicht nur darauf hinweisen, dass ihr Buch eine Satire ist (hätte es der Leser sonst nicht gemerkt?), sie haben gleichzeitig Angst, es könnte jemand falsch verstehen.


Eine solche widersprüchliche Einstellung des Autors zu seinem Werk sollte schon allein reichen, mögliche Leser abzuschrecken. Aber halt, so schlimm ist das Buch gar nicht. Der Autor macht sich lustig über die aufgeblasene Welt der Wirtschaft. Er zeigt, wie inhaltsleer und austauschbar das Gerede von Marketing-Fachleuten und Unternehmensberatung sind, wie leicht man diese Phrasologie kopieren kann und damit in den Beraterkreisen Karriere macht. Geschrieben ist das alles als Erlebnisbericht ohne großes stilistisches Können oder Sinn für Satire oder Ironie.

Es wird eher mit dem Holzhammer gearbeitet, damit auch der letzte Leser die satirische Absicht merkt. Dazu passt auch, dass die Akteure mit aussagekräftigen Fantasie-Namen wie „David Allesträger“ (ein Mitarbeiter einer Werbeagentur) bedacht werden. Wozu eigentlich der ängstliche Hinweis auf der ersten Seite, wenn alles so betont fern von tatsächlichen Wirtschaftsleben spielt.

Zwar gibt es durchaus witzige und entlarvende Stellen, doch hätten diese für zwei oder drei Glossen gerade einmal gereicht – als Fundament für ein ganzes Buch trägt das alles nicht. Wieder ein typisches Büchlein, was man lieber verschenkt als es selbst zu lesen.

Robert: Jakob: „Der Bluff“; Verlag Moderne Industrie, München 2002; 163 Seiten, 15,90 EUR, ISBN 3-478-37170-8

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