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Buchkritik:

„Wege statt Irrwege“ von  Clayton M. Christensen et al.

Der zur Zeit am meisten zitierte Management-Theoretiker ist Clayton Christensen. Mit seinem Buch „The Innovator’s Dilemma“ hat er beschrieben, wie „disruptive“ Technologien und Geschäftsmodelle ganze Branchen erschüttern und die etablierten Stammspieler vom Platz fegen, während neue Spieler ihre Chance nutzen. Aktuelle Beispiele davon findet man in der Musikindustrie, im Handel, sogar in der Taxi-Branche, weshalb „Disruption“ mittlerweile zum Lieblingswort von Start-Up-Gründern, Wirtschaftsförderern, Sonntagsrednern und Fachjournalisten geworden ist. Überall werden durch die Digitalisierung hervorgerufene Disruptionen postuliert – der bei Christensen durchaus ambivalente Begriff wird dabei ins Positive gewendet: Heute schon disruptiert?

Bei solcher Prominenz des Begriffs lohnt es sich vielleicht, beim Erfinder des Konzeptes nachzuschlagen – sein Buch „The Innovators Dilemma“ ist unter dem englischen Titel im Deutschen erschienen. Wer eine leichtverdauliche Einstiegsdroge sucht, der kann zu einem kleinen Taschenbuch greifen, dass Christensen mit zwei Koautoren geschrieben hat: „Wege statt Irrwege“. Das Buch ist ein seltsamer Zwitter: Christensen erläutert erst einige Management- und Wirtschafts-Theorien, die er zum Teil mitentwickelt hat. Dann zeigt er, wie die Anwendung dieser Theorien dem Leser ganz persönlich nützen kann – in der Karriereplanung, in der Partnerbeziehung, bei der Kindererziehung.

Wie man beispielsweise seine Ressourcen verteilt, das ist eben nicht nur bei Investments und Unternehmensstrategien wichtig, sondern auch bei der Balance zwischen Karriere und Familie. Die Idee ist durchaus charmant, was dabei herauskommt ist eine Mischung aus Management-Sachbuch und Lebenshilfe-Ratgeber. Wenn der Ansatz auch etwas technokratisch anmutet, so kommt im Lebenshilfe-Teil doch die eher wertkonservative Haltung des gefeierten Wirtschaftswissenschaftlers zum Vorschein (Christensen war einst, wie man beiläufig beim Lesen erfährt, als christlicher Missionar in Übersee unterwegs).

Leider bleiben aber beide Aspekte des Buches nur an der Oberfläche. Die Anknüpfung der Lebensratschläge an die Management-Theorien ist manchmal eher an den Haaren herbeigezogen. Über die Theorien erfährt man zu wenig (es gibt leider noch nicht einmal Literaturempfehlungen oder Quellenangaben). So handelt es sich um ein Fast-Food-Buch, das keines seiner zwei Zielsetzungen richtig erreichen kann. Bestenfalls bekommt man Lust darauf, sich mit Christensens Theorien genauer zu beschäftigen, selbst wenn sich hinter dem brillanten Wissenschaftler ein aufrechter, jedoch etwas einfach gestrickter Mensch zu erkennen gibt.

Karen Dillon / James Allworth / Clayton M. Christensen: Wege statt Irrwege – Wo Menschen und Firmen die gleichen Fehler Machen und warum Wirtschaftstheorien uns zu einem glücklicheren Leben verhelfen können; Books 4 Success / Börsenmedien, Kulmbach 2012, 224 Seiten, 19,99 €, ISBN 978-3-86470-244-0

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