Von Medien umzingelt

Buchkritik:
„Die Mediatisisierung kommunikativen Handelns“ von Friedrich Krotz

Eigentlich findet man in der Habilitationsschrift des Kommunikationswissenschaftlers Friedrich Krotz gleich drei Bücher, die leider ein bisschen unverbunden nebeneinander stehen. Der Titel der gesamten Arbeit lautet „Die Mediatisierung kommunikativen Handelns“ und beschäftigt sich mit dem Vordingen der Medien in immer mehr unserer Alltagsbereiche und die Auswirkungen auf unser gesamten Kommunikationsverhalten.


Im ersten Teil liefert der Autor recht präzise Definitionen seiner Begriffe, die er umfassend herleitet und begründet – ein verdienstvolles Unterfangen, werden doch Fachwörter wie „soziales Handeln“, „Kommunikation“ oder „Interaktion“ oft unfachmännisch verwendet. Dann wird (quasi im zweiten „Buch“) eine kleine empirische Studie vorgestellt – akribisch haben Studenten die Fernseher gezählt, die in Hamburg an öffentlichen Plätzen aufgestellt sind.

Es wurde beobachtet, wie Menschen diese TV-Angebote nutzen: Ob sie in der Kneipe zum Bildschirm schauen, vor dem Schaufenster stehen bleiben und sich das Fussballspiel anzusehen oder im Bahnhof das Geschehen auf der Großleinwand verfolgen und dabei mit den anderen Wartenden ins Gespräch kommen. Die Beobachtungen werden systematisiert, was leider ohne Redundanzen nicht vonstatten geht.

Der Dritte Teil des Buches sammelt dann Theorien und Befunde der internationalen Kommunikationsforschung zum Thema Mediatisierung, d.h. der Ausbreitung von Medien in bisher medienfreie Bereiche. Auch dieser Teil ist lesenswert, wobei man allerdings schon ein gehöriges Interesse für soziologische Theoriebildung mitbringen muss, denn eine leichte Lektüre ist keines der drei Teile des Bandes.

Friedrich Krotz: „Die Mediatisisierung kommunikativen Handelns – Der Wandel von Alltag und sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die Medien“, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, 288 Seiten, ISBN 3-531-13552-X

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