Web 2.0 für die Westentasche

Buchkritik:
„Web 2.0 – Geld verdienen mit Communitys“ von Thomas H. Kaspar

Zum Thema Social Media und Web 2.0 wurde schon viel erzählt, es mangelt nicht an Vorträgen und Büchern, die eine neue und bessere Welt ausmalen, in denen jeder mit jedem kommuniziert und die traditionellen Medien keine Bedeutung mehr haben. Und einige Medienunternehmer haben sich von der Euphorie der Netz-Philosophen anstecken lassen und in Communities und Social Networks investiert. Doch bisher ist die Vermarktung schwierig – das, was viele Menschen gerade an den Social Media schätzen, ist eben das sie NICHT kommerzialisiert sind.


Nun gibt es einen kleinen und handlichen Band, der im Titel schon reißerisch verspricht, wie man mit Communitys tatsächlich Geld verdienen kann. Der Autor ist Thomas H. Kaspar, Community-Leiter im Rang eines Chefredakteurs bei CHIP Online – und damit verantwortlich für eine der erfolgreichsten Communities im Netz. Auf CHIP.de werden neue Produkte nicht nur von Journalisten bewertet, sondern auch von Usern, deren Meinungen und Urteile wiederum andere User anlocken.

Mit dieser Erfolgsgeschichte im Rücken erläutert Kaspar in seinem Ratgeberbuch kurz und prägnant, worauf es bei Social Communities im Internet ankommt. Dabei geht er auch kurz auf Technik und Software ein, denn Tools sind wichtig – je leichter sie es den Nutzern machen, sich zu beteiligen, umso besser. Doch weist Kaspar ausdrücklich darauf hin, dass ein wichtiges Erfolgsrezept in einem professionellen Community-Management besteht, das für Orientierung sorgt und Inhalte so aufbereitet, dass auch gelegentliche Nutzer sich zurechtfinden.

Der Autor klassifiziert die Community-Nutzer in verschiedene Typen: Von „Google-Besuchern“, die nur zufällig auf die Seite kommen, weil sie eine bestimmte Information gesucht haben, bis zu den „Einwohnern“, die das Portal mindestens einmal am Tag besuchen. Wichtig sind Experten, die ihr Fachwissen einbringen, den Communities funktionieren nur, wenn die Inhalte eine hohe Qualität haben – das bezieht sich nicht auf die Darstellung oder den Stil der Texte (das kann durchaus sehr laienhaft wirken), sondern auf die inhaltliche Tiefe und Expertise.

Das Buch ist ein schneller Ratgeber und in einer Reihe erschienen, in denen viele Management-Themen zwar mundgerecht, doch oft sehr oberflächlich abgehandelt werden. Diese Bücher gibt es oft in Bahnhofsbuchhandlungen oder sogar in Bürowarenläden, sie verlangen dem Leser wenig Geld und Zeit ab. Was bei vielen Themen ein Nachteil ist (ist ein „Schnellkurs Buchführung“ wirklich ausreichend?), erweist sich bei Web 2.0 als gelungen. Zu viele andere Bücher blähen ihre dünnen Erkenntnisse zu sehr auf, in dem sie mit wirren Theorie-Gefasel, angestaubten Beispiele oder bunten Bildern viele Seiten schinden.

Kaspar bleibt immer auf den Punkt (auch im „theoretischen Teil“: Seine „Fünf Phasen der Community-Entwicklung“ sind ein gutes Beispiel für ein hilfreiches, praxisrelevantes Modell). Seine Erfahrungen fließen in den Ratschlägen und Checklisten ein, die dadurch immer konkret und nachvollziehbar sind. Ob man nach der Lektüre wirklich Geld im Web 2.0 verdienen kann, ist allerdings nicht sicher. Aber das Wesen von Communitys und die Bedürfnisse ihrer Nutzer versteht man besser, wenn man sich auf die schnelle, aber interessante Lektüre von Kaspars Buch einlässt.

Thomas H. Kaspar: Web 2.0 – Geld verdienen mit Communitys; Verlag C. H. Beck (Beck Kompakt); München 2009, 128 Seiten, 6,80 €, ISBN 978-3-406-58562-3

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