Wenn die Dinge smarter sind, als wir selbst…

Buchkritik:

„Die Informatisierung des Alltags“ von Friedemann Mattern (Hrsg.)

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie es ist, wenn nicht nur Ihr Computer und Ihr Auto vollgestopft mit Informationstechnologie sind, sondern auch Ihr Kühlschrank, Ihr Gürtel oder Ihre Jacke? „Leben in smarten Umgebungen“ nennen das die Experten. Die Dinge um uns herum werden immer intelligenter, sammeln und senden Informationen, machen uns das Leben leichter – oder komplizierter. „Ubiquitous Computing“ lautet das Fachwort dazu. Die Computertechnik wird allgegenwärtig und erobert auch noch die letzten Winkel unserer Alltagswelt. Die Vorboten begegnen uns schon heute auf Schritt und Tritt – alleine in einem Mobiltelefon steckt heute mehr Intelligenz als in den Großrechnern der Vergangenheit. Doch vieles hört sich noch wie Science-Fiction an, etwa die „smarte“ Kleidung, die dem Arzt ständig Auskunft über unseren Gesundheitszustand gibt.


Wer sich mit dem Thema jenseits von vagen Zukunftsvisionen und Horrorszenarien beschäftigen will, der hat eine harte Lektüre vor sich: Der Band „Die Informatisierung des Alltags“ versammelt mehr als ein Dutzend Aufsätze zu den unterschiedlichsten Aspekten des Ubiquitous Computing. Dabei wird nicht nur auf die Technik eingegangen, z.B. die mittlerweile schon recht bekannten RFID-Chips, sondern auch auf die gesellschaftlichen Risiken und Nebenwirkungen. Probleme gibt es offensichtlich beim Datenschutz und der Wahrung der Privatsphäre – nach dem jüngsten Verfassungsgerichtsurteil ein viel diskutiertes Thema. Wie kompliziert wird die Einhaltung des „Grundrechts auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme“ aber erst, wenn nicht nur PCs miteinander vernetzt sind, sondern auch die Dinge unseres Alltags?

Der vorliegende Sammelband verschafft uns eine Ahnung, was noch alles auf uns zu kommt – mit einem meist nüchternen und sachlichen Blick, jenseits von aufgeregter Hysterie oder plattem Technik-Optimismus. Natürlich fordert die Lektüre dem Leser einiges ab; er darf keine Angst haben vor komplizierten technischen Sachverhalten, verwirrenden Begriffen und dem Jargon der Ingenieure. Wer sich darauf einlässt, lernt aber vieles dazu und ist in der Lage, neue Technologien und ihre Auswirkungen besser einschätzen zu können. Das erweitert unser Wissen und schult unsere Intelligenz – was dringend nötig ist, wenn wir mit den smarten Gebrauchsgegenständen in unserer Umgebung mithalten wollen…

Friedemann Mattern (Hrsg.): „Die Informatisierung des Alltags. Leben in smarten Umgebungen“, Berlin / Heidelberg / New York 2007, Springer-Verlag, 419 Seiten, 39,95 EUR, ISBN 978-3-540-71454-5.

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