Zurück in die 80er

Neulich war ich bei einem Vortrag von Richard Kähler in der Frankfurter Kneipe Klabunt.

kaehler

Kähler war Redakteur bei Titanic und Kowalski, später auch Gag-Schreiber fürs Fernsehen. Er ist ein Idol meiner Jugend: Seine Kolumne „Teddys Trends“ erschien in den 80er Jahren zuerst in der Titanic, später dann in Kowalski und parodierte zum einen den Trend-Jargon von den damaligen Zeitgeist-Blättern „Tempo“ oder „Wiener“, lieferte aber auch eine Chronik über die damaligen Moden und Marotten.

Kähler schrieb diese kurzen Texte unter dem schönen trendmäßigen Pseudonym Teddy Hecht – und das zu einer Zeit, in dem andere Trendjournalisten so gestelzst-absurden Künstlernamen wie „Mathias Horx“ verwendeten. Schade, dass Kähler im Klabunt keinen Teddys-Trends-Text vorlas. Er erzählte über seine Karriere – das erste eigene Heftchen „Mark & Bein“, die Arbeiten für die Titanic mit ihrer Nonsense-Beilage „Kolibri“ und seine Arbeit für „Kowalski“ – das Satire-Magazin der späten 80er Jahre aus dem Semmel-Verlach, das Kähler seinen Namen verdankte – aber das ist eine andere Geschichte, die eigentlich nur Richard Kähler wirklich gut erzählen kann. Ein bisschen war diese Veranstaltung eine Zeitreise zurück in die 80er Jahre. Sehr amüsant, wenn auch ein sehr nostalgisch.

Schön waren die alten Kolibir- und Kowalski-Titelbilder – lange verdrängt, doch alle noch im Hirn gespeichert. Leider berichtete Kähler kaum davon, was er eigentlich heute so macht (u.a. arbeitet er als Fotograf) – schade, dass man ihn so lange aus den Augen verloren hat.

Als ich jetzt das vergilbte Taschenbuch mit den alten „Teddys Trends“-Kolumnen zur Hand nahm, war das übrigens ein sehr seltsames Erlebnis: Was Teddy Hecht damals als Mode-Torheiten geißelte, ist heute so ein fester Teil unseres Alltags, dass es uns schon gar nicht mehr auffällt, dass es auch mal ohne ging – zum Beispiel Autotelefone (nennt man heute Handy) oder Amerikanismen und Marketing-Deutsch. Teddy Hecht, der Pionier der Trendforschung, lasst ihn uns preisen… Kähler bezeichnet ihn übrigens auf seiner Homepage als „Teddy Hecht, der Mann, der das bloggen erfand„. Und das schöne ist: Tatsächlich gibt es neue Texte auf seiner Website… 🙂

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