„Eine neue Krawatte ist ein guter Anfang“

Buchkritik (geschrieben 2001):
„Manieren und Karriere“ von Rosemarie Wrede-Grischkat

Benimmbücher haben eine schwierige Mission. Sie sollen gutes Benehmen lehren, doch hat der Leser in der Regel bereits einen Maßstab für solches, nämlich sein eigenes. Decken sich die Ratschläge im Buch mit diesem, so fühlt sich der Leser in seiner Intelligenz beleidigt („Das ist doch selbstverständlich“). Weichen die Benimmregeln jedoch deutlich vom eigenen Verhalten ab, so handelt es sich ganz klar um alte Zöpfe und verstaubte Überbleibsel aus Kaisers Zeiten, die heute wirklich niemand mehr braucht…


Also warum soll man überhaupt Benimmbücher lesen? Da gibt es doch ganz andere Zeitgenossen, die hätten die Lektüre viel nötiger, aber gerade die scheinen sich hartnäckig der Belehrung zu entziehen. Vielleicht sollte man denen mal ein Benimmbuch zu Weihnachten unter dem Baum legen, aber ist so ein Wink mit dem Zaunpfahl überhaupt mit guten Benehmen zu vereinbaren? Um ehrlich zu sein, gibt es nur eine Sache, die unangenehmer ist als eine Benimm-Fibel zu verschenken: Nämlich selbst eine geschenkt zu bekommen.

Das hier vorliegende Buch trägt den Titel „Manieren und Karriere“. Es ist, wie viele andere Bücher dieser Art, voll mit guten Ratschlägen, manchmal etwas altväterlich im Stil (was natürlich auch den spröden Charme dieser Literaturgattung ausmacht), aber dafür übersichtlich und sehr instruktiv. Das gilt besonders für den Teil, der sich mit den korrekten Manieren im Ausland beschäftigt. Die Gliederung nach Ländern verspricht aber mehr als sie hält – zu vielen Staaten wird außer dem Datum des Nationalfeiertags wenig Spezifisches geliefert.

Einige der Hinweise, die der Leser auf den Weg bekommt, würde man eine größere Beachtung wünschen. So schreibt die Verfasserin über Manieren beim Mobiltelefonieren: „Es ist eine strikte Regel der guten Manieren, niemals Unbeteiligte an einem Telefonat teilhaben zu lassen.“ Eine Erkenntnis, die sich anscheinend deutlich langsamer als das Mobiltelefon selbst in der Gesellschaft verbreitet.
Oder über E-Mails: „Im Hinblick auf die korrekte Orthographie sollte eine E-Mail weder Anlass zum Rätselraten noch zur Erheiterung ganzer Büros dienen.“ Und erinnert der folgende Satz nicht irgendwie an den sogenannten „lockeren Umgang“ in Werbeagenturen? „..öfter trifft das Problem auf, dass Chefs von ihren Mitarbeitern unbedingt geduzt werden möchten, jedoch ist denen das Angebot unsäglich unangenehm und peinlich.“ Die Schlussfolgerung verbreitet allerdings wenig Hoffnung: „Gegen eine solche ‚Ehre’ hat die Etikette leider keinen Widerspruch vorgesehen.“

Rosemarie Wrede-Grischkat: „Manieren und Karriere – Internationale Verhaltensregeln für Führungskräfte“, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Gabler Verlag, Frankfurt am Main / Wiesbaden 2001, 420 Seiten, ?,00 €, (?,00 Mark) ISBN 3-409-49146-5

Hinweis: Die Überschrift ist dem Buch „Lexikon der Werbesprüche“ von Wolfgang Hars entnommen.

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