Heiße Luft ist gelb

Buchkritik (geschrieben 2001):
„Also ich glaube, Strom ist gelb – Über die Kunst, Konzerne Farbe bekennen zu lassen“ von Bernd Kreutz

Bernd Kreutz ist ein versierter Werbeexperte, der mit seiner Kampagne für Yello Strom sicherlich ein Musterbeispiel für moderne Marketingkommunikation geliefert hat. Als Krönung hat er diese Kampagne jetzt auch noch in einem selbstgeschriebenen Buch dokumentiert.


Kreutz hat das, was manche Rezensenten gerne als eine „flotte Schreibe“ bezeichnen – die Sätze plätschern so dahin, als wären sie bei einer amüsanten Plauderei direkt aus dem Mund des Gesprächspartners gesprudelt. Der Autor ist allerdings so verliebt in seine Plauderpotenz, dass er sich um einen stringenten Aufbau des Buches wenig kümmert: Er erzählt die Geschichte der Yello-Kampagne einfach von Anfang an, ohne Auslassungen, Zusammenfassungen oder Reflexionen – Vorbild scheinen Grundschulaufsätze wie „Mein schönstes Ferienerlebnis“ zu sein.

In seine Kampagne ist der gelbsüchtige Autor auch verliebt, weshalb ihre Kritiker schlecht wegkommen, während die Förderer als Helden gefeiert werden. Das Buch zeigt schön, wie ein umfassendes Kommunikationskonzept entsteht, welche Widerstände es beim Auftraggeber überwinden muss und welche Kreise es zieht (selbst die Yello-Strom-Witze aus Rudi Carells TV-Show werden im Wortlaut zitiert), vielleicht macht es den einen oder anderen jungen Berufseinsteiger auf die Werbebranche neugierig.

Eine kritische Bewertung und Einordnung der dargestellten Arbeit fehlt jedoch. Hat die „Strom ist gelb“-Kampagne wirklich zur Profilierung von Unternehmen und Produkt beigetragen und nicht nur inhaltslose Bekanntheit gebracht? Solche Überlegungen muss der Leser selbst anstellen, wenn er nicht von der Detailfülle aus dem Arbeitsalltag von Bernd Kreutz ermüdet wird. Also ich glaube, heiße Luft ist gelb.

Bernd Kreutz: „Also ich glaube, Strom ist gelb – Über die Kunst, Konzerne Farbe bekennen zu lassen“, Hantje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2000, ISBN 3-7757-0920-7

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