Dahinter steckt immer ein kluger Kopf

Buchkritik:
„Klick – Wie moderne Medien uns klüger machen“ von David Pfeifer

Vor einigen Monaten wurde an dieser Stelle das Buch „Die neue Intelligenz“ von Steven Johnson besprochen. Der amerikanische Autor begeht darin eine Art Tabubruch, indem er die These vertritt, dass Computerspiele und Fernsehserien uns nicht dümmer, sondern klüger machen. Belege findet er dafür in wissenschaftlichen Studien und der genauen Beobachtung der Medieninhalte. Nun ist auch ein deutscher Autor auf diesen Zug aufgesprungen und singt ein Loblied auf die Medien.


In „Klick“ berichtet der Journalist David Pfeifer davon, wie „moderne Medien uns klüger machen“ – so der Untertitel seines Buches. Was daran irreführend ist: Pfeifer redet eigentlich nicht von „uns“, sondern in erster Linie von sich selbst. Wo Johnson Forschungsergebnisse bemüht, um seine These zu stützen, erzählt Pfeifer aus seinem Leben – seine ersten Erfahrungen mit dem Commodore 64, wie toll er damals „Telespiele“ mit Thomas Gottschalk fand, wie er und seine Freunde mit dem Handy umgehen und viele weitere Anekdoten – bis hin zu Originalzitaten aus seiner E-Mail-Korrespondenz. Vieles davon scheint eher für einen Schulaufsatz über „Mein schönstes Medienerlebnis“ zu taugen. Man gewinnt den Eindruck, dass die modernen Medien nicht nur klüger, sondern auch selbstverliebter machen.
Dabei sind einige von Pfeifers Geschichten durchaus amüsant zu lesen, etwa wenn er berichtet, wie in den 80er-Jahren die Buchhaltung seines ersten Arbeitgebers von einer verworrenen Zettelwirtschaft in eine effiziente Computer-Datenbank überführt wurde. Doch viele andere Erzählungen erhellen das eigentliche Thema seines Buches eher weniger. Am Interessantesten sind noch seine Interviews mit Experten – besonders die Berichte von Pädagogen und Therapeuten, die Computerspiele zur Behandlung von Lernstörungen oder zur Rehabilitation nach einem Schlaganfall einsetzen.
Bei anderen Interviews ist aber der Erkenntniswert gering. Sie sollen wahrscheinlich nur demonstrieren, welche wichtigen Leute der Autor kennt (oder gibt es sonst einen Grund, warum man gerade Harald Schmidt zum Thema dieses Buches befragen sollte?). Sogar der oben erwähnte Autor Steven Johnson taucht auf. Pfeifer berichtet aber weniger von dessen Recherchen, sondern informiert uns über seine Kücheneinrichtung (natürlich ist ein Computer dabei). Hier empfiehlt sich doch gleich die Lektüre von Johnsons „Die neue Intelligenz“; das Buch von Pfeifer regt zwar durchaus zum Nachdenken an, macht uns aber nicht wirklich klüger.

David Pfeifer: „Klick – Wie moderne Medien uns klüger machen“, Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 2007, 178 Seiten, 17,90 EUR, ISBN 978-3-593-38161-9

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