Wie viele Rezepte für Goldbroiler und Ei kennen Sie?

Buchkritik:
„Das große Lexikon der DDR-Werbung“ von Simone Tippach-Schneider

Den Lesern in den alten Bundesländern steht eine exotische Entdeckungsreise bevor. Das unbekannte Land, um das es geht, wird von einem Gnom mit braunen Schwellkopf, blauen Hut und grünen Koffer regiert – dem sogenannten Messemännchen, einer von Leipzigs bekanntesten Söhnen. Es begegnen einem Begriffe wie „Backstolz“ von „Rot-Plombe“ – im Westen hatte man dafür Backpulver von Dr. Oetker. Wer’s schaumig mag, gab „Ba Du San“ ins Badewasser – die Brüder und Schwestern im Westen griffen stattdessen zu „Bade Das“.


Sie haben es sicherlich schon erkannt – es geht um Werbung in der DDR. Alle Ostalgiker und die, die es werden wollen, haben nun Gelegenheit sich mit dieser für Wessis fremden Welt vertraut zu machen. „Das große Lexikon der DDR-Werbung“ hält, was der Titel verspricht. Nicht nur die schon geflügelten Worte von der „Plaste und Elaste“ finden sich in diesem voluminösen Werk, auch die vergessenen Marken, Sprüche und Kampagnen erleben streng alphabetisch geordnet ihre Auferstehung.

Hinzu kommen viele Stichworte, die Rahmenbedingungen, Bedeutung und Geschichte der DDR-Werbung erhellen. Einige der Abbildungen sind farbig und liefern einen umwerfenden Einblick in die Konsumwelt der Ostbürger. Dabei glauben noch heute viele der Westdeuschen, das es in der DDR zwar reichlich politische Propaganda, aber keine Wirtschaftswerbung gab.

Das Lexikon, in dem die Sammelleidenschaft über die systematischen Aufbereitung triumphiert, ermöglicht einen amüsanten Einblick in die Geschichte des ostdeutschen Alltags. Das Schmökern lohnt sich, man findet viele überraschende Perlen – zum Beispiel ein Kochbuch, in dem 60 Rezepte für Brathähnchen und Eier versammelt sind. Guten Appetit.

Simone Tippach-Schneider: „Das große Lexikon der DDR-Werbung“, Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag, Berlin 2002, 472 Seiten, ISBN 3-89602-372-1

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