Die richtigen Worte sagen mehr als tausend Wörter

Buchkritik:
„Corporate Language“ von Armin Reins

Praktiker erläutern welchen Beitrag gute Texte leisten, um Markenbotschaften effektiv an den Konsumenten zu bringen.

Bücher über gutes Texten in der Werbung gibt es nicht viele. Gute Bücher über Texten noch viel weniger. Anscheinend haben viele Verleger und Kreative die Erkenntnis der Copytest-Forschung im Kopf, die besagt, dass die meisten Anzeigentexte vom Betrachter gar nicht gelesen werden. Wohl deshalb gibt es prachtvolle Bildbände voll mit herausragenden Anzeigen, doch gute Texte aus Werbung, Direct-Mailings oder Pressemitteilungen findet man kaum in Buchform gesammelt. Ein besseres Qualitätsbewusstsein im Umgang mit der Sprache im Marketing wäre jedoch wünschenswert, bedenkt man den ständig wachsenden Ausstoß an Drucksachen und elektronisch verbreiteten Texten.


Armin Reins, der bereits mit „Die Mörderfackel“ ein hervorragendes Buch über Werbetexter vorgelegt hat, liefert nun mit dem schwergewichtigen und edel aufgemachten Titel „Corporate Language“ ein weiteres Werk über das Handwerk und die Kunst des Textens. Top-Werber aus Agenturen, Kommunikationsmanager von Unternehmen und Werbeforscher geben in dem neuen Buch in Form von Artikeln oder Interviews Auskunft darüber, welchen Beitrag gute Texte für das Marketing und das Unternehmensimage leisten.

Firmen tun gut daran, nicht einfach nur wahllos Wörter zu produzieren, sondern die richtigen Worte zu wählen, um Markenbotschaften effektiv an den Konsumenten zu bringen. Dabei findet man nicht nur eine Vielzahl gelungener Beispiele und detaillierte Wort-für-Wort-Analysen von Texten, sondern auch sehr praxisnahe Ratschläge und Checklisten.

Viele der Beiträge sind selbst Proben eines wirkungsstarken Umgangs mit Sprache. Denn: „Gute Texte sind Verführer“ – um nur einen Beitrag zu zitieren, in dem erklärt wird, was Texter von Casanova, dem Schutzheiligen aller Verführer, lernen können. Das Buch sollte jeder in die Hand nehmen, der mit Sprache Produkte oder Unternehmen verkaufen will – egal, ob er oder sie selbst textet oder die Arbeiten anderer bewerten muss. Auch wenn nicht jeder Beitrag gelesen werden muss, so ist doch das Stöbern und Blättern in dem prachtvollen Band nicht nur erhellend, sondern auch vergnüglich.

Armin Reins: „Corporate Language – Wie Sprache über Erfolg oder Misserfolg von Marke und Unternehmen entscheidet“, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2006, 386 Seiten, 49,80 EUR, ISBN 3-87439-669-X.

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